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Mark Jänsch über aktuelle Führung

Warum ist Führung heute wichtiger als je zuvor?



Warum sollte man sich heute mehr denn je mit Führung beschäftigen?

Meine Antwort lautet in völliger Klarheit: "Weil die meisten aktuellen Führungsmodelle nicht funktionieren."

An dieser Stelle ist es wichtig klar zu stellen, was ich damit meine. Heutige Führungsmodelle und Führungsmethoden können einige Ziele durchaus erreichen. Ziele, wie Gewinnmaximierung, Shareholder Value, Marktanteile sichern und ausbauen. Vor allem sind die Führungsmodelle und Führungsmethoden jedoch etabliert und weitestgehend akzeptiert. Es gibt wenig Widerstand und jeder kann sich einordnen.

Die Reichweite dieser Ziele als Resultate von Führung ist mir jedoch in drei Ebenen klar zu kurz.

PERSÖNLICHE EBENE

Im Laufe eines Jahres begegne ich hunderten von Führungskräften. Menschen in der ersten Führungsverantwortung und Menschen auf Vorstands- und C-Level.  Mein Eindruck ist das kein Einziger davon mit sich und seinem eigenen Leben wirklich zufrieden ist. 

Ich mache das an Gesprächen fest, in denen ich ganz klar frage, ob in dem Umfeld meiner Gesprächspartner "alles gut" ist. 

Als Antwort bekomme ich unterschiedliche Äußerungen von "ja", immer gefolgt von mindestens einem "aber".

Jeder Einzelne meiner Gesprächspartner in den vergangenen Jahren äußerte Einschränkungen, wenn es um "alles gut" ging. Bei manchen ist es die Menge an Arbeit, die als unmenschlich empfunden wird. Bei manchen ist es ein Gefühl von Angst oder Bedrohung am Arbeitsplatz. Manche können keine klaren Gründe benennen, dafür aber Symptome, wie Schlaflosigkeit, Aggressivität, Probleme in der Beziehung zum Partner oder den eigenen Kindern.

Fast alle haben genug Geld und angesehene Titel auf der Visitenkarte, aber sie haben Probleme Ruhe zu finden, Glück zu finden, Zufriedenheit zu finden.





ORGANISATIONELLE EBENE

Gestresste und unzufriedene Führungskräfte formen Organisationen mit geringer Identifikation der Angestellten mit der Führungskraft, dem Unternehmen und dem Produkt oder der Dienstleistung.

Begleiterscheinungen sind unter anderem dysfunktionale Teams, Teams, die gegensätzliche Ziele verfolgen, ausgeprägtes Silodenken und fehlende Verantwortungsübernahme.

Die gängigen Führungsmethoden wenden Macht oder Angst an, um Mitarbeiter im Berufsalltag anzuleiten und die gängigen Führungsmodelle sehen nur wenige Personen in Führungspositionen, die sogenannten Führungskräfte.

Kurzfristig sind diese Methoden durchaus geeignet gewisse Ziele zu erreichen. Langfristig jedoch, und das lässt sich branchenübergreifend in vielen Unternehmen beobachten sind diese Methoden nicht geeignet Angestellte zu motivieren und in kreativen Teams zu organisieren.

Unternehmen beobachten immer öfter Herausforderungen, denen sie sich operativ und strukturell nicht gewachsen fühlen oder zeigen.

Kein etabliertes Führungsmodell ist in der Lage diesen Unternehmen zur Seite zu stehen, die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung, der Disruption der gesamten Industriewelt und den sich beständig verändernden Anforderungen der Menschen im Generationswechsel zu meistern.

Die Folge sind Unternehmen mit nicht funktionsfähigen Strukturen und Kulturen.

Die gleichen Menschen, die "aber" Einschränkungen bei "alles gut" im persönlichen Bereich formulieren vermerken für ihre Berufswelt ebensolche Einschränkungen. Absicherung durch riesige Emailverteiler, fehlende Verantwortungsübernahme, unendliche Abstimmungsrunden vor Entscheidungen, unklare Kompetenzen sind nur einige Stichpunkte, mit denen Mitarbeiter ihre momentanen Organisationen beschreiben.

GESELLSCHAFTSEBENE

Nach meiner Frage, ob im persönlichen Umfeld und im direkten beruflichen Umfeld "alles gut" ist stelle ich immer die Frage, ob denn mit unserer Welt "alles gut" ist.

Hier zeigt sich grundsätzlich das gleiche Bild, wobei es tendenziell mehr "aber" gibt.

Eigentlich ist alles gut, aber die Insekten sterben. Die Wälder werden gerodet. Die großen Unternehmen zahlen zu wenig Steuern. Die Einkommensgrätsche geht zu weit auseinander. Das Miteinander zwischen den Menschen wird aggressiver und dogmatischer. Die Politik wird unwählbar. Das Bildungssystem bereitet nicht auf die Arbeitswelt der Zukunft vor. Das Gesundheitssystem ist ungerecht. Der gemeinsame Strang, an dem wir alle ziehen wollen, ist nicht mehr sichtbar.

Zusammengefasst geht es allen irgendwie angeblich so ganz ok, gleichzeitig ist das "Aber" sehr mächtig. Bitte behalten Sie dieses „Aber“ für sich im Kopf. Reflektieren Sie es zukünftig bitte immer dann, wenn in Ihrem Umfeld jemand in Ihren Augen nicht konstruktiv auf eine Situation oder ein Geschehnis reagiert.

Im Einzelnen erleben wir immer mehr Stress, in der beruflichen Organisation erleben wir keine Identifikation und positive Richtung mehr und auf Gesellschaftsebene ist das Unwohlsein so groß, das wir niemandem mehr zutrauen wirklich etwas zum Guten zu bewegen. In meiner Erfahrung teilen alle Menschen diese Erlebnisse und Einschätzungen. Niemand in meinen Gesprächen der vergangenen Jahre äußerte sich anders. Ich hatte zum Teil den Eindruck die Antworten auf meine Fragen seien abgesprochen, so ähnlich waren die Aussagen.

Yuval Noah Harari schreibt in seinem Buch "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" von einer "globalen Stressepidemie". Diesen Ausdruck kann ich mit der Erfahrung meiner Gespräche gut nachvollziehen.

Genau in dieser Situation kommen die klassischen Führungsmodelle und Führungsmethoden zu kurz. Genau für diese Anordnung von Dysfunktionalität braucht es ein neues oder anderes Führungsverständnis.

Ein Führungsverständnis, das jeden einzelnen Menschen in Führung bringt und jeden einzelnen Menschen in Führung sieht, weil jeder einzelne Mensch betroffen ist. Und nur mit aktiver Beteiligung von allen gemeinsames entstehen kann.

Dafür braucht es eine starke Initiative in zwei Richtungen, die ich "Führungsentwicklung" und "Organisationsentwicklung" nenne. Wenn alle das Gleiche erleben und wir das verändern wollen, dann muss unser Fokus auf den heutigen Führungskräften und mit gleicher Kraft auf allen Menschen im Umfeld der Führungskräfte liegen. Alle müssen in die Verantwortung für die Veränderung kommen, alle müssen führen. Anders wird es in der heutigen Welt, in der jeder gefragt und beteiligt ist nicht gelingen können.

Damit lade ich alle Menschen zu einer Beschäftigung mit Führung ein denn ich bin überzeugt, das jeder Mensch führen will. Ich bin überzeugt, das jeder Mensch führen kann. Und ich bin überzeugt, das es die Führung und Verantwortungsübernahme aller braucht, damit wirklich "alles gut" wird. Ohne "aber".


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MARK JÄNSCH

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SABINE HAHN

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